Voodoo Requiem

Trotz der tropischen Temperatur fröstelt er, als er hinaus auf den Balkon im dreißigsten Stock tritt. Es ist nass und stickig. Die Stadt vor ihm bietet einen geisterhaften Anblick. Grau in Grau, ist sie in Nebel gehüllt. Ein Nebel der als solcher kaum wahrnehmbar ist, nicht so dicht, dass man seine Hand nicht vor Augen sehen kann, stattdessen scheint er Häuser und Straßen unscharf zu machen. Im Dunkel der Nacht, bestrahlt von hunderten Straßenlaternen, sieht man nur ihre Konturen und selbst diese scheinen zu verschwimmen.

Fast magisch davon ausgenommen ist ein einziges Gebäude direkt vor ihm. Ein Hochhaus, dass sich direkt vor seinen Augen in den Himmel streckt.

Dazu diese dumpfe Geräuschkulisse. Ein leises Gemisch, aus fahrenden Autos auf nasser Straße, dem Geprassel eines entfernten Feuerwerks und leisem Trommeln. Kein Musikstück im klassischen Sinne. Wie eine Lautuntermalung zu einem Film. Nur eine Handvoll Takte, die sich aber bis in alle Ewigkeit zu wiederholen scheinen. Fast hypnotisch.

Bam-bam-bada-bam-bam, bam-bam-bada-bam-bam.

Der Rhythmus trägt ihn in die Ferne, in schwül-warme Sümpfe, irgendwo in Florida, vielleicht in Georgia, oder in Louisiana. Er zündet sich eine Zigarette an, raucht und lauscht den Trommeln mit geschlossenen Augen.

Bam-bam-bada-bam-bam

So steht er noch eine ganze Weile da und genießt den bizarren Augenblick, bis seine Hosentasche vibriert. Er öffnet die Augen, zieht sein Telefon aus der Hose und schaut aufs Display.

Eilmeldung: Dr. John im Alter von 77 Jahren gestorben.

Nicht jetzt, denkt er, nicht der Voodoo Priester. In seinem Geiste mischt sich der Song ‚I Walk on Guilded Splinters‘ unter die Trommeln. Dr. John, in Tierhaut und mit Federschmuck, tanzt um ein gigantisches Feuer.

Come Get It, Get It, Come, Come

Walk on guilded splinters

‚Til I Burn Up ,’Til I Burn Up, ‚Til I Burn Up ,’Til I Burn Up

Er hört die Musik auch noch, als er die Augen öffnet. Im Gegenüber, ebenfalls auf einem Balkon, wird getanzt. Die Tänzer setzen sich wie Schatten eines chinesischen Schattentheaters vom dahinter liegenden Zimmer ab.

Ein würdiger Abschied denkt er, zieht an seiner Zigarette und genießt das Schauspiel.

Bam-bam-bada-bam-bam

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